Streicherklassen

– Projektbeschreibung –
  1. Wissenschaftliche Erkenntnislage zur Instrumentalausbildung an Schulen
  2. Das Unterrichtsmodell der Streicherklassen am LMG
  3. Unterrichtsform / Erfahrungen / Nachhaltigkeit
  4. Streicherklassen im Kontext unserer Schule
  5. Personelle Situation am Lise-Meitner-Gymnasium
  6. Realisierung / Finanzierung

1. Wissenschaftliche Erkenntnislage zur Instrumentalausbildung an Schulen

Namhafte Professoren der Pädagogik und Entwicklungspsychologie haben in Langzeitstudien durch empirisch gewonnene Erkenntnisse den Beweis erbracht, dass die Ausbildung an einem Musikinstrument u. a. für die Persönlichkeitsentwicklung von Schulkindern trotz einer damit verbundenen zeitlichen Mehrbelastung von erheblichem Gewinn ist (Hans Günther Bastian: „Kinder optimal fördern – mit Musik: Intelligenz, Sozialverhalten und gute Schulleistungen durch Musikerziehung“, auch als Taschenbuch). Die Instrumentalausbildung bewirkt danach: eine Verbesserung der sozialen Kompetenz, einen bedeutsamen IQ-Zugewinn, eine Steigerung der Lern- und Leistungsmotivation, eine Kompensierung von Konzentrationsschwächen, eine Verbesserung der emotionalen Integration, eine Reduzierung von Angsterleben, eine Förderung musikalischer Leistungen und Kreativität, überdurchschnittlich gute schulische Leistungen. Der Hirnforscher Manfred Spitzer warnt vor den Gefahren der übertriebenen Bildschirmpräsenz in der Kindesentwicklung (Manfred Spitzer: „Vorsicht Bildschirm!: Elektronische Medien, Gehirnentwicklung, Gesundheit und Gesellschaft“); dieser Entwicklung wirkt die Beschäftigung an einem Musikinstrument in unmittelbarem Austausch mit anderen Instrumentalisten auf ideale Weise entgegen (Studien zur Progression synaptischer Verknüpfungen etc.). Zur Vorgehensweise seien einige Stichpunkte genannt: körperliche Koordination (rechte und linke Hand des Streichers tun sehr Verschiedenes); Entschlüsselung eines äußerst abstrakten Zeichensystems (Notenschrift), das man hier spielerisch mit lernt; die Verbindung mit der sinnlichen Wahrnehmung des selbst erzeugten musikalischen Ergebnisses; ein dauerhaft selbst erzeugbarer seelischer Ausgleich. Nicht zuletzt lässt sich diese zusätzlich erworbene „Sprache“ (die im Übrigen international ist und nicht übersetzt werden muss) in vielen gewinnbringenden Gemeinschaften pflegen.

2. Das Unterrichtsmodell der Streicherklassen am LMG

Kindern, denen bis zum Eintritt in das Gymnasium eine Ausbildung an einem Streichinstrument verwehrt blieb, und solchen, die sich ein weiteres Instrument erschließen möchten, soll die Möglichkeit gegeben werden, im Rahmen des regulären Musikunterrichts dieses (Violine, Viola, Violoncello, Kontrabass) noch zu erlernen.
Das Unterrichtsangebot gilt für zwei Jahre und erfolgt in der 5. Klasse mit vier Wochenstunden, wovon eine für die Reflexion (sogenannte „Theoriestunde“) vorgesehen ist, und in beiden Jahren in drei Wochenstunden praktisch am Instrument.
Der gymnasiale Bildungsplan sieht explizit das Erlernen eines Klasseninstruments vor (das ist im Allgemeinen häufig die Blockflöte). Hierdurch sollen die Grundlagen für den Umgang mit der „Kultursprache“ Musik gelegt und praktisch erfahrbar gemacht werden. Wie könnte das direkter und fasslicher geschehen als an einem Instrument, an dem man im wahrsten Sinne des Wortes zum „Begreifen“ aufgefordert ist. Die gemeinsame Erfahrung am Instrument steigert das Zusammengehörigkeitsgefühl in der Klasse und die Identifikation mit der Schule. Möglicherweise entsteht dabei ein lebenslanges Hobby bzw. eine sinnvolle Freizeitgestaltung, die neue Erfahrungsbereiche eröffnet.
Der Instrumentalunterricht im Klassenverband soll auch Kinder erreichen, deren Eltern es sich bisweilen vielleicht nicht leisten konnten, eine professionelle Instrumentalausbildung zu finanzieren. Dieses Bemühen stets aufrechtzuerhalten ist auch angesichts der inzwischen bereits jahrelangen Erfahrungen am Lise-Meitner-Gymnasium weiter indiziert. Eltern berichteten, dass sich ihre Kinder bereits in der Grundschule besonders anstrengten, um nur einmal in die Streicherklasse des Lise-Meitner-Gymnasiums angemeldet werden zu können.
Das bedeutet natürlich, dass das Instrumentarium und die personelle Situation zumindest für diese beiden Anfangsjahrgänge (Klasse 5 und 6) dauerhaft abgesichert sein müssen.
Eine spätere individuelle Fortsetzung der instrumentalen Beschäftigung soll sodann damit angestoßen sein und ein Übergang zum Schulorchester begleitet werden. Der mögliche Fortgang über Musikschulorchester oder später auch Universitätsorchester usw. soll gefördert werden. Anreize zur vertieften Instrumentalausbildung können ggf. durch Beratung und weitere denkbare Maßnahmen unterstützt werden, müssen sich finanziell aber immer weiter auf die jeweils private Basis verlagern.

3. Unterrichtsform / Erfahrungen / Nachhaltigkeit

Neben den seit Beginn gesicherten Schüleranmeldungen (methodisch ist eine Schülerzahl von über 25 nicht mehr sinnvoll) sprechen die gewonnenen Unterrichtserfahrungen für das Projekt.
Auf der Grundlage der „Rolland-Methode“ werden die Kinder gleichzeitig an den Instrumenten ausgebildet. Eine Verfeinerung und Erweiterung der Methode konnte durch das Unterrichtsrepertoire und weiteres Noten- und Unterrichtsmaterial aus den Händen der unterrichtenden Lehrkräfte entwickelt werden. Die Handhabung und das „Sicherheitstraining für Instrumente“ sind wichtige erste Schritte. Kontrollierte Haltung und das erste Spiel auf „leeren“ Saiten sind Grundübungen. Allmählich findet das Greifen mit allen Fingern der linken Hand unter feinster Schulung einer Kontrolle über das Gehör statt, gefolgt von Bogenübungen (verschiedene Stricharten) und gelegentlichem Pizzikato. Lagenspiel und das Kennenlernen verschiedener brauchbarer Tonarten werden zunehmend thematisiert, ausgehend von der Einstimmigkeit (begleitet am Klavier) zur komplizierter werdenden Mehrstimmigkeit. Einzelspiel, Spiel in Gruppen (mit gleichen oder gemischten Instrumentalgruppen) sowie Spiel im Klassenverband (Vorstufe zum Orchesterspiel) werden immer abwechselnd gepflegt.
Inzwischen unterstützt ein weiteres Projekt am Lise-Meitner-Gymnasium in der Kooperation mit der Musikschule die Nachhaltigkeit. Diplom-Musikerzieher (Lehrkräfte der Musikschule) erteilen nachmittags in den Räumen des Gymnasiums Gruppenunterricht. Hier können Streicherklassenschüler des LMG (auch ehemalige) zum besonders günstigen Tarif (!) in Zweier- bis Vierer-Gruppen bei professionell ausgebildeten Instrumentalpädagogen ihre Kenntnisse vertiefen, sicherer im Umgang mit dem Instrument werden, weitere Tonarten etc. kennen lernen. Auch dieses Projekt wird von den Schülerinnen und Schülern gerne angenommen.
Der Erwerb eines eigenen Instruments und die selbständige Fortsetzung der Instrumentalausbildung ist nach der 6. Klasse zwar anzustreben, ggf. sollten aber die Schule bzw. die Musikschule noch mit einem Leihinstrument aushelfen können. Aus dieser erweiterten Maßnahme versprechen sich Schule und Musikschule eine Quelle für Nachwuchs an Streichinstrumentlern auch für ihre außenwirksamen Ensembles und Orchester.

4. Streicherklassen im Kontext unserer Schule

Das Lise-Meitner-Gymnasium legt großen Wert auf moderne und damit auch handlungs- und produktionsorientierte Unterrichtsmethoden.
Vertiefende Angebote über die praxisorientierte Vermittlung im Klassenunterricht hinaus bestehen auch in Arbeitsgemeinschaften des Fachbereichs Musik, die große Außenwirkung genießen. Die Kolleginnen und Kollegen haben Anteil an einer in Jahren erreichten Tradition. So haben sie beispielsweise mit ihren Schülerinnen und Schülern in Kooperation mit Theater- und Bühnenbau-AG’en erfolgreiche szenische Aufführungen hervorgebracht; hier sei nur verwiesen auf Humperdincks „Hänsel und Gretel“ (Ltg.: R. Senger) oder Singspiele wie „Florian auf der Wolke“, an dem insgesamt 180 Schülerinnen und Schüler mitgewirkt haben (Ltg.: K. Lejeune). Gemeinsam mit dem Ludwig-Marum-Gymnasium (T. Steigleder), der Heynlin-Schule Stein (J. Modritsch), Vereinen aus der Umgebung und dem Solisten Benedict Kramer (Schüler des LMG Königsbach) wurde Beethovens Chorfantasie mit etwa 130 beteiligten Musikern aufgeführt (Ltg.: K. Lejeune) [Kooperation Schule & Verein]. Die Schule bietet Chorprojekte für die Unterstufenklassen (P. Steinhoff) sowie für die Mittel- und Oberstufe (J. Weiß/L. Kunzmann). Daneben bestehen eine Unter-/Mittelstufen- und eine Mittel-/Oberstufen-Big Band (J. Weiß). Ebenso finden gelegentlich Kammermusikensembles (K. Lejeune) in der Öffentlichkeit Beachtung. Selbst die musizierenden Kolleginnen und Kollegen lassen sich von diesem Strom in Form eines Lehrerchors (P. Steinhoff) und einer Lehrerband (J. Weiß) mitreißen.
Die Materialausstattung für alle Unterrichtsbereiche ist allgemein an dieser Schule vorbildlich. Die Möglichkeit besteht, in der gymnasialen Oberstufe das Fach Musik im Abitur in besonderer Weise relevant werden lassen (zwei- und vierstündige Musikkurse).
Eine Verklammerung des ersten bedeutsamen praktischen Kontakts mit der Musik am Gymnasium und einer motivierenden, der allgemeinen Kulturtradition verpflichteten und gewinnbringenden analytischen Betrachtungsweise am Ende der Schulzeit war den Ideengebern stets ein Anliegen.
Im Übrigen ist die Schule selbst zum Erhalt bzw. zur Weiterentwicklung dieser für das Schulleben so wichtig gewordenen Facetten auf die Rekrutierung weiterer Instrumentalisten insbesondere im klassischen Bereich (Streicher) angewiesen (Bläser wachsen durch eine blühende Blasorchesterumgebung einfacher nach).

5. Personelle Voraussetzungen

Der Leiter der Streicherklassen am Lise-Meitner-Gymnasium, Herr StD K. Lejeune, hat neben dem Schulmusikstudium auch ein Dirigierstudium in einer Kapellmeisterklasse absolviert, er bringt große Erfahrungen in der Leitung von Musikschulorchestern (über 10 Jahre) und Streichorchestern (wie Ärzteorchester, 10 Jahre) mit und leitet Klangkörper wie das Jugendsinfonieorchester Karlsruhe am Badischen Konservatorium. Darüber hinaus hat er eine Zusatzausbildung für die Leitung von Streicherklassen mit entsprechenden Lehrproben an der Akademie für Musikpädagogik Wiesbaden absolviert. Die stellvertretende Schulleiterin der Musikschule im Westlichen Enzkreis, Frau I. Finkbeiner, ist ebenfalls Berufsmusikerin (Orchester- und Musiklehrerdiplom) und aufs höchste qualifiziert im Unterrichten aller Streichinstrumente. Sie hat die gleiche Zusatzqualifikation zur Leitung von Streicherklassen erworben. Inzwischen konnte mit Frau StR‘ L. Kunzmann und Frau G. Bradley ein zweites Lehrertandem mit adäquater Streicherklassen-Zusatzausbildung gewonnen werden.
An der Akademie für Musikpädagogik wird in erster Linie nach der Rolland-Methode gelehrt. Das Teamteaching ist ebenso Inhalt dieser Ausbildung wie die unmittelbare Erfahrung in der Kooperation zwischen allgemeinbildenden Gymnasien und Musikschulen mit ihren jeweils eigenen Horizonten (Verschmelzung von Erfahrungen z.B. mit großen Lerngruppen an Gymnasien mit denen aus Einzelunterrichten an Musikschulen).
Das Teamteaching in der Streicherklasse sieht vor, dass die Schülerinnen und Schüler sowohl im Klassenverband unterrichtet werden als auch immer wieder in Binnendifferenzierung gleichzeitig Einzelbetreuung (z.B. Haltungskontrollen) erfahren.

6. Die Realisierung (und Finanzierung)

Zur Realisierung der Streicherklassen-Idee fand seinerzeit ein erster Austausch zwischen dem Vorsitzenden des Schulverbandes, Herrn Bürgermeister B. Kielburger, dem damaligen Schulleiter, Herrn OStD E. Beckmann, und dem Initiator, Herrn StD K. Lejeune, statt. Frau Prof. Dr. h.c. F. Solter war hierbei ebenfalls involviert. Sie ist die Vorsitzende der ortsansässigen Konzertreihen-Organisation „ProArte“, als ehemalige Rektorin der Staatl. Hochschule für Musik Karlsruhe dem Streicherklassenleiter aus gemeinsamen Hochschulprojekten bekannt sowie Förderin und Kennerin der örtlichen Kulturszene (Ehrenvorsitzende der Musikschule).
Nach Darstellung der inhaltlichen, pädagogischen wie methodischen Konzepte war die nachhaltige Finanzierung des Langzeitprojektes Thema. Frau Prof. Solter half bei der Eruierung von Sponsoren tatkräftig mit. Ihr und insbesondere dem unermüdlichen Einsatz des Schulleiters ist es zu verdanken, dass durch nachdrückliches Beharren die komplette materielle Ausstattung glückte (Sponsoren waren bis heute u. a. der Förderverein der Schule, die Schulstiftung Baden-Württemberg, PSD-Bank Karlsruhe, Rotary-Club Pforzheim-Schlossberg, Fa. IESTA GmbH Karlsruhe, Lions-Club Remchingen, Volksbank Wilferdingen-Keltern eG). Die Schulgremien hatten das Projekt einstimmig unterstützt (Lehrer-, Eltern- und Schülervertretungen waren eingebunden). Der Schulleiter und der Leiter der Streicherklasse stellten in einer Schulverbandssitzung das Projekt vor. Letztlich wurden die Übernahme der Personalkosten zugesichert, die durch die Kooperationslehrkräfte aufkommen, sowie die der kompletten Wartungs- und Versicherungskosten.
Das Angebot fand Anklang bei den Fünftklässlern. Infoveranstaltungen und Instrumenten-Auswahl- und Anpassungsabende für Viertklässler werden seither regelmäßig von den unterrichtenden Lehrkräften durchgeführt, neuerlich auch Elternabende, an denen Eltern selbst die Handhabung der Instrumente ihrer Kinder erklärt bekommen können. In der Öffentlichkeit wie im Schulleben haben sich die Streicherklassen einen festen Platz errungen. Dem Schulverband wurden wiederholt Erfahrungsberichte erstattet und zuletzt ein Text-Bild-Prospekt vorgelegt. Die vom Regierungspräsidium (RSD R. Senger) genehmigte und von der Landesstiftung (Ministerialdirektor a.D. Mäck) unterstützte Streicherklasse wurde in der Folge mehrfach durch Interessierte anderer Schulen sowie seitens der Dienstbehörde (StD’in Dr. Hirtler, StD Bickel) besucht und begutachtet, nicht zuletzt von der Stuttgarter Zeitung, die sich in einem eigenen Artikel sehr lobend äußerte. Seit 2003 finden sich immer wieder Lerngruppen von bis zu 40 Schülerinnen und Schülern pro Jahrgang zusammen, die voller Neugier und mit großem Elan dieses Schulangebot wahrnehmen. Sorgsam tragen die Kinder ihre Streichinstrumente über den Hof und durch das Schulgebäude in ihren Instrumentenraum (zu dem sie jeweils einen eigenen Schlüssel haben) oder in den Unterrichtssaal und bekennen stolz, dass sie in die Streicherklasse gehen.
Immer wieder müssen die Instrumente einer größeren Überholung unterzogen werden. Das ist bei regelmäßigem Gebrauch der Instrumente vollkommen normal: Bögen sind abgespielt und müssen neu bespannt werden, Stege an allen Streichinstrumenten müssen gelegentlich neu eingerichtet bzw. ersetzt werden. Griffbretter sind abzuziehen. Stachel müssen erneuert werden. Hohe Saiten reißen gelegentlich und tiefe Saiten sprechen nicht mehr richtig an. Für all diese anstehenden Wartungsarbeiten werden weiterhin finanzielle Unterstützungen sinnvoll eingesetzt.
Wenn Sie uns dabei helfen möchten, freuen wir uns über Einmal- oder Dauerspenden auf das Konto des Fördervereins am Lise-Meitner-Gymnasiums unter dem Verwendungszweck „Streicherklasse“ (Volksbank Stein-Eisingen, Kto.-Nr.: 437 301, BLZ: 666 622 20). Selbstverständlich stellt Ihnen der Förderverein gerne eine Spendenquittung aus.