
„Wo kommst du eigentlich her?“ – „Hast du heute wieder Reis dabei?“ – „Ihr seid doch alle so gute Sportler!“
Solche oder ähnliche Aussagen begegnen vielen Menschen im Alltag – auf dem Schulhof, im Freundeskreis oder in der Öffentlichkeit. Oft sind sie nicht böse gemeint, können aber dennoch verletzend sein. Doch was ist noch tolerabel und wo beginnt Alltagsrassismus?
Mit genau diesen Fragen setzten sich die Schülerinnen und Schüler des Lise-Meitner-Gymnasiums in den Wochen vor den Pfingstferien intensiv auseinander. In zahlreichen Gesprächen und Diskussionen tauschten sie unterschiedliche Perspektiven aus: Während die Neuntklässlerin Mira die eingangs genannten Aussagen klar als rassistisch einordnet, betont ihr Mitschüler Tim, dass auch der jeweilige Kontext eine Rolle spiele. Schnell wurde deutlich, dass es auf diese Fragen keine einfachen Antworten gibt – umso wichtiger ist der offene Austausch darüber.
Anlass der Aktion war das Ziel der SMV, das Lise-Meitner-Gymnasium in das Netzwerk „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ (SOR) aufzunehmen. Federführend engagierten sich dabei die Schülersprecherinnen und Schülersprecher Aielle Güler, Cedric Walch und Anamarija Bilic (alle K1). Ihr Anliegen ist es, das Bewusstsein für Alltagsrassismus und Diskriminierung zu schärfen. Dabei geht es nicht nur um Benachteiligungen aufgrund von Hautfarbe, Aussehen oder Herkunft, sondern ebenso um Ausgrenzung aufgrund des Geschlechts, der sexuellen Orientierung oder der religiösen Zugehörigkeit.
Den Dreien ist bewusst, dass es eine Schule ohne Rassismus im wörtlichen Sinne nicht geben kann. Vielmehr steht der Beitritt zum Netzwerk für eine gemeinsame Haltung: Alle am Schulleben Beteiligten – Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte, das Sekretariat, das Hausmeisterteam, die Reinigungskräfte und weitere Mitarbeitende – verpflichten sich, respektvoll und tolerant miteinander umzugehen und Diskriminierung couragiert entgegenzutreten.
Mit dieser Selbstverpflichtung war auch die Abstimmung über den Beitritt verbunden. Voraussetzung für die Aufnahme in das Netzwerk war die Zustimmung von mindestens 70 Prozent aller am Schulleben Beteiligten.
In den Tagen vor der Abstimmung besuchten Aielle, Cedric und Anamarija gemeinsam mit der SOR-Gruppe der SMV alle Klassen und Kurse. Anhand ausgewählter Zitate und Beispiele kamen sie mit den Schülerinnen und Schülern über Alltagsrassismus, Vorurteile und Diskriminierung ins Gespräch.
Eine Woche später erfolgte die Wahl – und das Ergebnis kann sich sehen lassen: Knapp 90 Prozent der abgegebenen Stimmen sprachen sich für den Beitritt zum Netzwerk „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ und damit für die gemeinsame Selbstverpflichtung aus. Ein starkes Zeichen für Weltoffenheit, Vielfalt und gegenseitigen Respekt am LMG!
Zu Beginn des neuen Schuljahres soll die offizielle Aufnahmefeier gemeinsam mit der Landeskoordination des Netzwerks sowie dem Projektpaten MdL Benjamin Bauer, einem ehemaligen Lehrer des LMG, stattfinden. Weitere Projekte rund um die Themen Vielfalt, Toleranz und Zivilcourage sind bereits in Planung.
Fabian Kreutel und Sarah Kurtz, Verbindungslehrkräfte