
Mathis Lamprecht hat nicht nur das beste Abiturzeugnis des Königsbacher Gymnasiums, sondern auch eines der besten im ganzen Land. Trotzdem verbringt der 18-Jährige seine Zeit nicht nur mit Lernen. Schon bald geht er weit weg, um in Südafrika anderen Menschen zu helfen.
Kritik gibt es nicht, an keiner Stelle. Stattdessen steht immer das Positive im Mittelpunkt. Während des gesamten Gesprächs sprüht Mathis Lamprecht nur so vor Optimismus und Zuversicht. Der 18-Jährige hat viel erreicht und viel vor. Als am Königsbacher Lise-Meitner-Gymnasium vor kurzem die Abiturzeugnisse verteilt wurden, fiel sein Name als letzter. Denn Mathis ist es gelungen, den besten Durchschnitt zu erreichen. 890 von 900 Punkten hat er geschafft – und damit rein rechnerisch eine Note, die noch unter 1,0 liegt. Bei der Abiturfeier erhält er nicht nur dafür viele Preise, sondern auch für seine herausragenden Leistungen in den einzelnen Fächern und für sein großes Engagement in der Bigband der Schule. Auf die Idee, damit anzugeben, würde Mathis aber nie kommen. Stattdessen wiegelt er ab und meint, ihm sei das Lernen eben schon immer eher leichtgefallen. An seine Schulzeit erinnert er sich gern, vor allem wegen seiner Mitschüler. „Wir hatten einen echt coolen Jahrgang und eine richtig gute Zeit.“ Spaß gemacht hat Mathis die Schule schon immer, vor allem der Mathematik-Unterricht. In der Grundschule war er gut im Eckenrechnen, später konnten ihm auch noch so komplexe Formeln nichts anhaben.
Klar, dass Mathematik in der Oberstufe zum Leistungskurs wurde, neben Physik und Wirtschaft. Die erste mündliche Prüfung absolvierte er in Deutsch, die zweite ersetzte er durch das Hector-Seminar, an dem er von der sechsten Klasse bis zum Beginn der Kursstufe teilgenommen hat. Übrigens nach ausdrücklicher Empfehlung seiner Lehrer, denn Zugang erhalten nur besonders begabte Schüler im Bereich Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik. Zu Beginn der Kursstufe hat Mathis sich das Ziel gesetzt, beim Abitur einen Durchschnitt von 1,3 zu erreichen. „Irgendwann habe ich dann gemerkt, dass eine 1,0 drin sein könnte.“ Verbissen darauf hingearbeitet hat er aber nie, denn er weiß: „Man darf sich da nicht zu sehr reinsteigern.“ Mathis ist dankbar, dass ihn seine Eltern immer unterstützt, aber nie unter Druck gesetzt haben. Ganz im Gegenteil. „Sie haben mir immer wieder gesagt, dass ich mir nicht zu viel Stress machen soll.“ Den hatte der Abiturient aber ohnehin nicht, außer vielleicht, wenn es knapp wurde mit Abgabefristen. Obwohl seine zu den besten im ganzen Land gehören, ist Mathis überzeugt, dass Noten gesellschaftlich überbewertet werden, dass sie nicht der einzige Faktor sein sollten, um Menschen zu beurteilen.
Für den 18-Jährigen steht fest, dass es noch viele andere Fähigkeiten gibt, die wertvoll für die Gesellschaft sind, vor allem im zwischenmenschlichen Bereich. Er selbst hat sich immer sozial engagiert, etwa als Ministrant und in der Bigband des Gymnasiums. Musik macht er schon, seitdem er an der Steiner Heynlinschule die Bläserklasse besucht hat. Beim Steiner Musikverein gehörte er mit seiner Posaune zunächst zum Jugend-, dann zum großen Orchester. Erfolgreich absolvierte er sowohl den D1- als auch den D2-Lehrgang, um sich weiterzuentwickeln. Schon seit seinem sechsten Lebensjahr spielt Mathis Fußball bei der Steiner Turngesellschaft, zuletzt in der Herrenmannschaft. Ein Wechsel kam für ihn nie infrage. „Das ist mein Heimatverein, bei dem ich mich immer wohlgefühlt habe.“ Dennoch hat sich der 18-Jährige gut überlegt, ob er den Schritt von der A-Jugend in das Erwachsenenteam gehen soll. Rückblickend war es für ihn „die beste Entscheidung, die ich hätte treffen können“, denn: „Das vergangene Jahr war fußballerisch das beste Jahr, da hat einfach alles gepasst.“ Mathis ist überzeugt, dass ihm der Fußball viel gebracht hat: als Ausgleich zur Schule, aber auch zum Erlernen von Teamfähigkeit. Zwar treibt er auch sonst viel Sport, etwa beim Laufen oder im Fitnessstudio, aber das ist für ihn nicht dasselbe, denn: „In einer Mannschaft muss man sich aufeinander verlassen können.“
Nach seinem erfolgreichen Schulabschluss will Mathis ins Ausland gehen, genauer gesagt nach Südafrika. Vermittelt von der Erzdiözese Freiburg, absolviert er ein freiwilliges internationales Jahr bei den „Peace Players“: einem Sportprojekt, das Kindern und Jugendlichen über Basketball ein friedliches, konfliktfreies Zusammenleben beibringen will. Basketball hat der 18-Jährige zwar nie im Verein gespielt, aber in der Freizeit mit seinen Freunden. Die wird er nun eine ganze Weile nicht persönlich sehen können. Obwohl er noch nie allein so weit weg von zuhause war, macht Mathis sich keine Sorgen. „Es wird auf jeden Fall cool.“ Wenn er zurückkehrt, will er studieren, auf jeden Fall ein Fach, das den Schwerpunkt auf Mathematik und Physik legt. Luft- und Raumfahrttechnik könnte er sich gut vorstellen, vielleicht an der Technischen Universität in München. Dort wäre der Studiengang zwar komplett auf Englisch, aber das macht Mathis nichts aus. Schließlich wird er in den kommenden Monaten in Südafrika mehr als genug Englisch sprechen. Wo er nach seinem Studium arbeiten will, weiß der 18-Jährige noch nicht genau. Vielleicht in der Raumfahrttechnik, vielleicht in der Autoindustrie. „Das lasse ich einfach auf mich zukommen.“ – Nico Roller