
Einen humorvollen Blick auf die Märchen aus dem Orient bietet ein Theaterstück des Königsbacher Lise-Meitner-Gymnasiums. Die Schüler haben das Stück komplett selbst entwickelt.
Schön sieht er ja aus, der kleine rote Teppich. Nur fliegen will er nicht. Auch nicht, als Aladdin sich auf ihm niederlässt und Kommandos gibt. Stattdessen fängt der kleine Teppich an zu weinen, denn: „Es ist alles so traurig.“ Mit piepsiger Stimme klagt er wortreich sein Leid, vor allem über die Flugangst, die bisher immer verhindert hat, dass er abhebt. Es ist nicht der einzige Moment, der das Publikum zum Lachen bringt. Auf der Bühne des Königsbacher Lise-Meitner-Gymnasiums geht es in der Welt von Tausendundeiner Nacht etwas anders zu als in den meisten Märchen und Kinofilmen. In monatelanger Arbeit hat die Theater-Arbeitsgemeinschaft ein Stück entwickelt, das gezielt die einschlägigen Bilder und Themen aufgreift, um eine neue, humorvolle Geschichte zu erzählen. Was das Publikum mit viel Applaus würdigt, ist eine Weltpremiere, die es so wohl nicht nochmal zu sehen gibt. „Wir wollten bewusst etwas Neues machen“, sagt Lehrerin Andrea Bodmann, die die Arbeitsgemeinschaf leitet und mit den Schülern seit Oktober geprobt hat: zunächst anderthalb Stunden pro Woche, kurz vor der Aufführung etwas öfter. 15 Kinder und Jugendliche von der fünften bis zur achten Klasse gehören aktuell zu der AG, die viel Raum für Kreativität bietet. Als beim Improvisieren zu Beginn des Schuljahrs einer der Schüler den Aladdin gespielt hat, entstand die Idee, ein orientalisches Märchen auf die Bühne zu bringen.
Nach und nach kamen neue Einfälle dazu, etwa für einen Markt mit aufdringlichen Händlern, für den ständig weinenden Teppich und für die Flasche der Macht, die ihrem Besitzer unendlichen Reichtum, aber allen anderen Unglück und Verderben bringt. Im Stück können Aladdin und seine Freunde verhindern, dass sie in die falschen Hände gerät. Obwohl das Vermitteln pädagogischer Botschaften nicht im Mittelpunkt steht, setzen sie damit ein Zeichen für Zusammenhalt. Die meisten Dialoge haben die Schüler selbst verfasst, einige auch Bodmann, der es gelungen ist, die Ideen der Schüler zu einer durchgängigen Handlung zu verarbeiten. Die Lehrerin hat den Eindruck, dass sich die Schüler mit dem Stück identifiziert haben. Was sich positiv auf ihre Motivation ausgewirkt hat. Sogar so positiv, dass alle freiwillig in die Probe gekommen sind, obwohl der Rest der Schule hitzefrei hatte. „Die Schüler wollten immer noch mehr machen“, erzählt Bodmann, der die Arbeit mit ihnen immer großen Spaß gemacht hat, denn: „Man bekommt so unglaublich viel zurück.“ Auch von den Schülern hört man nur Positives. „Die Ideen kamen einfach so beim Machen“, erzählt eine 13-Jährige, die schon zum dritten Mal mit der Theater-AG auf der Bühne steht, nachdem sie bereits in der Grundschule geschauspielert hat. So war es auch bei ihrem 14-jährigen Mitspieler, für den es einen großen Unterschied macht, ob man das Stück selbst schreibt, denn: „So muss man später nichts mehr auswendig lernen.“ – Nico Roller