
Streit zwischen Mama und Papa – und das bei Pflanzen? Was zunächst ungewöhnlich klingt, führt mitten hinein in die spannende Welt der Epigenetik. Um genau dieses Thema ging es bei der SPARK@COS Lecture am 8. Oktober 2026 in Heidelberg, die wir, die Schülermentoren für Molekularbiologie, erneut besuchen durften. Schon der Titel des Vortrags von Mary Gehring vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) in den USA, „Mom and Dad Are Fighting Again – Parental Battles in Plants“, machte uns neugierig auf die wissenschaftlichen Hintergründe.
Wie es manchmal so ist, blieb unsere Bahn auf dem Weg ins Neuenheimer Feld stehen, sodass wir den restlichen Weg auf eigene Faust zurücklegen mussten. Nichtsdestotrotz sicherten wir uns gute Plätze im großen Hörsaal. Kurz darauf begann Mary Gehring ihren Vortrag.
Im Mittelpunkt stand die Epigenetik. Sie beschäftigt sich mit Veränderungen der Genaktivität, die nicht auf Veränderungen der DNA-Sequenz zurückzuführen sind und teilweise über Generationen hinweg vererbt werden können. Dabei kann es vorkommen, dass bestimmte Gene je nach ihrer Herkunft von der Mutter oder dem Vater unterschiedlich stark abgelesen werden. Dieses Phänomen bezeichnet man als Imprinting. Eine wichtige Rolle spielt dabei unter anderem die DNA-Methylierung, die die Aktivität von Genen beeinflussen kann.
Im Fokus der Forschung standen die Samen der Pflanze Arabidopsis thaliana, auch Ackerschmalwand genannt. Aufgrund ihres kleinen Genoms und ihrer kurzen Generationszeit eignet sie sich besonders gut als Modellorganismus. Anhand dieser Pflanze untersuchen Forschende, wie die unterschiedliche Aktivität mütterlicher und väterlicher Gene die Entwicklung der Samen beeinflusst. Je nachdem, welche elterlichen Gene aktiv sind, kann sich beispielsweise die Größe der Samen verändern. Ein gestörtes Zusammenspiel der elterlichen Erbinformationen kann sogar dazu führen, dass sich Samen nicht erfolgreich entwickeln. Der Vortrag verdeutlichte uns damit, dass nicht nur Veränderungen der DNA-Sequenz, sondern auch epigenetische Mechanismen den Phänotyp, also die beobachtbaren Merkmale eines Organismus, beeinflussen können.
In der anschließenden Pause ließen wir uns Brezeln und Getränke schmecken, bevor wir gestärkt in die Fragerunde starteten. Dabei ging es unter anderem darum, wie sich die DNA-Methylierung im Laufe des Lebens verändern kann. Außerdem erhielten wir weitere Einblicke in die Forschung an Tieren und Pflanzen und erfuhren, worauf es bei der Auswahl eines geeigneten Forschungsorganismus ankommt.
Nachdem alle Fragen beantwortet waren, traten wir mit vielen neuen Eindrücken im Gepäck die Rückfahrt mit der Bahn an.
Elisabeth Mayer, K2